Unser Zeitalter erweist sich als eine Ära der Vernetzung. Neue Transportwege und revolutionäre Kommunikationstechnologienfördern unsere transnationalen Beziehungen, ermöglichen einen intensiveren kulturellen Austausch und stimulieren die Wechselwirkung in Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Umwelt. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass auch der Gesellschaftsbegriff zunehmend globalisiert wird. Doch während sich Schritt für Schritt neue Türen in die Zukunft auftun, so ist auch dieser Weg unausweichlich geprägt von Hindernissen, welche es gemeinsam zu überwinden gilt. Während unser soziales System immer komplexer wird, so sehen wir uns auch häufiger mit seinen Paradoxa und kollidierenden Wertevorstellungen konfrontiert, welche durch ihr globales Ausmaß jeden mehr oderweniger direkt oder indirekt zu betreffen scheinen. Eine der bekanntesten und meist zitierten Darlegungen gesellschaftlicher Stolpersteine entstammt der Feder Mahatma Gandhis, welcher sich einen Großteil seines Lebens mit der Gewaltursachenforschung beschäftigt hat. Wenige Tage vor seiner Ermordung im Jahre 1948 übergab der indische Widerstandskämpfer und Revolutionär seinem Enkel Arun Gandhi eine schriftliche Auflistung der „sieben modernen sozialen Sünden der Menschheit“:1. Reichtum ohne Arbeit2. Genuss ohne Gewissen3. Wissen ohne Charakter4. Geschäft ohne Moral5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit6. Religion ohne Opferbereitschaft7. Politik ohne Prinzipien Tatsächlich erscheint es manchmal so, als würden Wahnsinn und Scheinheiligkeit unseren gesunden Menschenverstand überwiegen. Während unsere westliche Welt oftmals mit Werten wie Freiheit und Menschenrechten assoziiert wird, so steht sie gleichzeitig für exzessiven Konsum und die Ausbeutung menschlicher Arbeitskräfte. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern der Erfolg. Nicht das Miteinander steht im Vordergrund, sondern der vorteilbringende Nutzen. Die wachsende Komplexität unserer inzwischen globalen Gesellschaft setzt das Individuum in seinem erfolgs- und handlungsorientierten Lebensmodell zusätzlich unter Druck: die Konkurrenznimmt zu, der Drang nach Selbstdarstellung erreicht neue Dimensionen.